Die Nacht habe ich wieder unter freiem Himmel verbracht. Der Sternenhimmel war unglaublich. Zur Ruhe gekommen bin ich in einem Bad in der Milchstraße. So viele Sterne habe ich selten gesehen.

Gegen 7:30 Uhr rollen wir wieder.
Das Gelände war wohl mal eine Arte Industriegelände. Überall stehen wild abgeflexte Stahlträger aus dem Boden. Wir können froh sein, hier gestern auf nichts auf gefahren zu sein. Das hätten selbst unsere Reifen nicht ausgehalten.

Gerade auf der Straße winkt uns schon die erste Streife raus. Die Taktik immer gemeinsam ran zu fahren geht auf. Entweder bleibt es bei einer Verwarnung oder die Geldstrafen bleiben gering. Meist handelt es sich eh um Korruption, so dass es einfach nur auf das dickere Fell ankommt. Wir gewöhnen uns bald an, die Pässe und Führerscheine nicht mehr aus der Hand zu geben. Denn was man einmal weg gegeben hat ist meist nur gegen Bares zurück zu bekommen.

Die erste Tankstelle verschlingt unsere letzten Rubel. Unser heutiges Ziel ist Kasachstan.


Jedoch das Land, obwohl wir wissen wo es liegt, versteckt sie vor uns. Die Grenze ist nicht ausgeschildert und so fahren wir über zwei Stunden im Kreis, bis wir endlich die aus dem Tajikfilm der Ostournauten bekannte eiserne Schwimmbrücke finden.  Ein paar Rubel finden sich noch in unseren löchrigen Beuteln für die Überfahrt. Hoffentlich ist es richtig, zurück geht jetzt nicht mehr.
Quietschend überqueren wir den Fluss Buzan. Drüben angelangt wieder keine Schilder. Schliesslich finden wir die Grenze.

LKW Fahrer sprechen uns während wir warten an und machen sich über unsere Boliden lustig. Sie gestikulieren und wir verstehen, dass wir mit unseren Schubkarrenrädern wohl in der Straße stecken bleiben werden. „Ach was“, denke ich, „wenn das die anderen geschafft haben, dann schaffen wir das auch!“.

Der Grenzposten aus Russland raus besteht aus einer Bretterbude und ein paar Schranken sowie ner ganzen Menge Maschendrahtzaun. Wir bekommen pro Fahrzeug eine Art Laufzettel, der die „Checkpoints“ innerhalb dieses Niemandslandes belegt. Ein wenig wie beim Staffellauf. Als wir nach der Migration Card gefragt werden kommt es uns erneut zugute, dass wir mehrere sind. Wir brauchen letztlich keine.
Unsere Zufriedenheit Russland endlich hinter uns gelassen zu haben wird auch in Kasachstan nicht geschmälert. Ganz im Gegenteil, hier sind die Grenzer geradezu gut gelaunt und empfangen uns mit einem breiten Grinsen. Die beiden Grenzen, vor denen ich neben der Türkei am meisten Respekt hatte entpuppen sich als entspannt und geradezu amüsant.

Unsere Fahrzeuge werden nur oberflächlich inspiziert und schnell ist klar, wer die meisten Goodies im Kofferraum hat ist eindeutig das beliebtere Team. So finden Zigaretten und Schokoriegel neue Besitzer und Kofferinhalte werden Nebensache. Freundlich aber bestimmt versuchen uns die Grenzer wertvolle Dinge wie Taschenlampen oder Messer abzuschwatzen. Zum Glück besitzen wir die nötige Diplomatie, um dieser Situation mit einem Lächeln und einem freundlichen „Adieu“ den Rücken zu kehren.

Unser Trip durch Kasachstan ist die am häufigsten durch Polizeikontrollen unterbrochene Wegstrecke auf der gesamten Fahrt.Insgesamt werden wir 13 Mal kontrolliert. Darüber aber später mehr.

Die Straßen sind erst gar nicht so schlecht und ich bin anfangs fast enttäuscht. Erst nach einigen Kilometern erreichen wir langsam die unbefestigten Straßen und werden diese noch zu verfluchen wissen. Der Asphalt ist bald so stark durchlöchert und durchfurcht als dass wir es den Einheimischen nach machen und abseits der Wege die Sandpisten entlang jagen.
Nachdem wir etwas Luft aus unseren Reifen abgelassen haben, um mehr Fläche zu bekommen, hab ich bald den Bogen raus und wir rasen mit 80 km/h dem Sonnenuntergang entgegen.

 

Über den Autor

Flo
Navigator Team 2Infinity und offizielles Mitglied der TajikRally 2014 // Motto: "Nicht quatschen - Machen!" // Minimalist - Organisator - Optimist // 1999 - Griechenland 6 Wochen per Tramp von Bonn bis zum Olymp und zurück // 2000/2001 - Südamerika 15 Monate mit dem Rucksack unterwegs von Machu Picchu bis Feuerland und mit dem Containerfrachter über den Atlantik von Buenos Aires nach Hamburg zurück // 2006 & 2008 - Bolivienreise jeweils ein Monat // 2014 - TajikRally2014 10.000 km für den guten Zweck // ...